Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Regionalgruppe Westlausitz

Paris-Exkursion des ADFC Sachsen: Wie der Wandel zur Fahrradstadt gelingt

Paris zeigt, wie die Umgestaltung zur Fahrradstadt gelingt. 15 Aktive des ADFC Sachsen haben die Praxis vor Ort getestet und sich vernetzt. Welches Wissen sie mitbringen, erfahrt ihr im Winter bei Vortragsabenden in Dresden, Leipzig & Chemnitz!

Paris hat in den letzten Jahren ambitionierte Pläne verfolgt, um von einer autogerechten Stadt zu der Fahrradstadt Europas zu werden. Innerhalb weniger Jahre hat die französische Hauptstadt gezeigt, wie an stark befahrene Straßen geschützte Radwege, neues Stadtgrün und mehr Qualität gebracht werden können.

Um herauszufinden, wie dieser Wandel in der Praxis funktioniert und welche Rolle dabei zivilgesellschaftliche Akteure spielen, reiste eine 15-köpfige Delegation des ADFC Sachsen für fünf Tage in die Seine-Metropole.

Gefördert wurde die grenzüberschreitende Lernreise durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds. Im Mittelpunkt der Exkursion standen die Begutachtung der Umgestaltungen rund um den Plan Vélo, der direkte Austausch mit verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteuren in Paris sowie die Frage, welche Impulse sich für die Radverkehrsarbeit in sächsischen Städten und Regionen mitnehmen lassen.

Eine vielseitige Delegation aus ganz Sachsen

Die Reisegruppe setzte sich aus zwei Hauptamtlichen sowie 13 ehrenamtlich Aktiven aus Dresden, Leipzig und Chemnitz zusammen. So unterschiedlich die Hintergründe der Teilnehmenden waren, so vielseitig war auch der Blick auf die Pariser Veränderungen. Gemeinsam erprobten die Reisenden per Rad die Infrastruktur vor Ort, analysierten die unterschiedlichen Lösungen, die in Paris gefunden wurden und begutachteten innovative Konzepte wie kinderfreundlich umgestaltete Schulstraßen (rues aux écoles), Begrünungsinitiativen wie Stadtwälder (forêts urbaines) und das neue Fahrradparkhaus am Gare du Nord.

Dichtes Programm: Von der Werkstatt bis ins Rathaus

Während der fünf Tage der Exkursion traf die ADFC-Delegation zahlreiche Akteurinnen und Akteure aus Praxis, Zivilgesellschaft und Politik:
 

  • Radverkehrsverbände vor Ort: Bei gemeinsamen Befahrungen und Fachgesprächen mit Paris en Selle, dem Collectif Vélo Île-de-France und MDB (Mieux se Déplacer à Bicyclette) ging es um Erfolgsstrategien, die Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Politik, Verbandskommunikation sowie das gemeinsame Ziel, die Stadt für alle Generationen sicher zu gestalten.
  • Alltagskultur & Pariser Perspektiven: Neben offiziellen Vertretungen traf die Gruppe Menschen, die das Rad täglich im Pariser Alltag nutzen. Dazu gehörte unter anderem ein Treffen mit Eva, der Initiatorin des Projekts Portraits à vélo, das die Vielfalt der Radelnden künstlerisch im Stadtbild sichtbar macht und zeigt, wie tief das Radfahren inzwischen im Lebensgefühl der Pariser:innen verankert ist. 
  • Soziale & gewerbliche Praxis: Ein Besuch bei der Initiativ-Werkstatt SoliCycle verdeutlichte, wie eine Fahrradwerkstatt zur Arbeitsmarktintegration und Nachbarschaftshilfe beitragen kann. Das Gespräch mit Vincent vom Verband Les Boîtes à Vélozeigte auf, wie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe mit Lastenrädern effizient im städtischen Wirtschaftsverkehr agieren können.
  • Blick aus der Verwaltung: Den Abschluss bildete ein Gespräch im Pariser Rathaus mit Christophe Najdowski, dem stellvertretenden Bürgermeister unter Anne Hidalgo, der die politischen Stellschrauben, Priorisierungen im Haushalt und den mutigen Umgang der Verwaltung mit Widerständen gegen einen fahrradfreundlichen Stadtumbau erläuterte.

Voneinander lernen und Brücken schlagen

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Reise lag auf der internationalen Vernetzung. Die Zivilgesellschaft in Paris und Sachsen steht – trotz fast tausend Kilometern Entfernung – vor ähnlichen Herausforderungen, wenn es darum geht, öffentlichen Raum neu zu gestalten und Akzeptanz für neue Mobilitätsformen zu schaffen. Auch in Paris ist dieser Prozess nicht frei von Konflikten oder Nachbesserungsbedarf – der Austausch auf Augenhöhe bot daher für beide Seiten wertvolle Erkenntnisse.

Als Zeichen dieser engen Verbindung hat der ADFC Sachsen den Pariser Partnerorganisationen direkt eine Gegeneinladung nach Sachsen ausgesprochen. Ziel ist es, den gegenseitigen Lernprozess fortzusetzen und gemeinsam an zukunftsfähigen Lösungen zu arbeiten. Durch den kontinuierlichen Austausch lässt sich gezielt prüfen, wie sich innovative Ideen und Best Practices an die jeweiligen lokalen Herausforderungen – ob in der Metropole Paris oder in sächsischen Städten und Regionen – anpassen und übertragen lassen.

Ausblick: Erkenntnisse und Vortragsreihe im Winter

Die Eindrücke und Fotodokumentationen der Exkursion werden derzeit von den Teilnehmenden der Reise ausgewertet, aufbereitet und auf ihre Übertragbarkeit für die sächsische Kommunalpolitik geprüft.

Um die Ergebnisse mit allen Mitgliedern, Interessierten sowie Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Planung zu teilen, lädt der ADFC Sachsen gemeinsam mit den Kreisverbänden in Dresden, Chemnitz und Leipzig in den kommenden Wintermonaten zu drei regionalen Vortragsabenden in Dresden, Leipzig und Chemnitz ein. Dort werden die Erlebnisse und Erkenntnisse ausführlich präsentiert und gemeinsam diskutiert.

Die genauen Termine sowie einen ausführlichen Bericht der Exkursion werden wir in Kürze veröffentlichen.


https://westlausitz.adfc.de/neuigkeit/paris-exkursion-des-adfc-sachsen-wie-der-wandel-zur-fahrradstadt-gelingt

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